Das Projekt entstand in einem Umfeld, das nicht für experimentelle Architektur bekannt ist. Umso klarer war die Haltung der Bauherren: ein Haus aus Sichtbeton, ohne Verkleidung, ohne Ausweichflächen. Tragende Struktur und Oberfläche sollten identisch sein.
Die architektonische Idee war bewusst roh. Monolithische, gestapelte Kuben mit großen Glasflächen. Stumpfe, leicht ruppige Betonoberflächen. Gleichzeitig war die Erwartung an die Ausführung hoch: scharfe Kanten, plane Ebenen, ruhige Flächen. Trotz der rauen Anmutung durfte nichts zufällig wirken. Komplex wurde das Projekt durch die konstruktiven Anforderungen. Wärmeschutz und Abdichtung erforderten eine zweischalige Bauweise mit Kerndämmung. Die Außenschale wurde nachträglich hergestellt, teilweise über zwei Geschosse hinweg. Schalungsanker sollten innen und außen logisch aufeinander abgestimmt sein. Arbeitsfugen mussten präzise gesetzt werden, damit sie im fertigen Zustand lesbar, aber nicht störend sind. Die Konstruktion sollte am Ende monolithisch wirken, obwohl sie es technisch nicht war. Wir wurden in einer frühen Phase angesprochen, noch bevor das Leistungsverzeichnis final festgelegt war. Das ermöglichte, verschiedene Schalungslösungen offen zu halten und ausführungskritische Punkte vorab zu klären. Gemeinsam mit den Architekten entwickelten wir die komplette Schalungslogik für Innen- und Außenflächen, stimmten das Schalbild ab und definierten die Betonsorten. Ein entscheidender Moment war die Frage, wie die Fassade geschalt werden sollte. Aus Kostengründen stand zur Diskussion, auf eine einfachere Systemschalung zu wechseln. Nach intensiver Abwägung entschieden wir uns bewusst dagegen und empfahlen, die bisher eingesetzten Westag RS Special großformatigen Platten einzusetzen, diesmal aber als Trägerschalung mit H20-Trägern und Stahlriegeln. Rückblickend war das eine zentrale Entscheidung. Eine kleinteilige Schalungsoptik hätte die Wirkung der Fassade grundlegend verändert. Die größte Herausforderung lag darin, für jede technische Anforderung eine projektspezifische Lösung zu finden. Viele davon waren Einzellösungen. Entsprechend hoch war das Risiko, dass das Ergebnis nicht der ursprünglichen Idee entspricht. Umso klarer war für uns, dass insbesondere die Vorderfassade stimmen musste. Hier floss ein erheblicher Teil der Planungsarbeit. Im fertigen Zustand ist die konstruktive Komplexität kaum ablesbar. Die zweischalige Bauweise tritt zurück, Fensterleibungen aus Sichtbeton überdecken die Dämmebene. Das Gebäude wirkt ruhig und selbstverständlich, als wäre es aus einem Stück gebaut.
Papenhörn wurde mehrfach veröffentlicht und auf der Titelseite des Architekturjahrbuchs Hamburg gezeigt. Viele Architekten erkennen die kubische Formgebung sofort. Für uns bleibt es ein Projekt, das zeigt, wie entscheidend frühe Einbindung und gemeinsame Entscheidungen für das gebaute Ergebnis sind, und wie es lohnen kann, bewusst Risiko einzugehen.
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(2007-2025)












