Das Projekt Röge II greift vertraute Motive des norddeutsch-hanseatischen Wohnhauses auf, ohne sie zu zitieren. Der Baukörper bleibt klar und zurückhaltend, die Wirkung entsteht über Material, Tiefe und Fassadenordnung.
Zur Straßenseite wird das Haus vollständig über die Fassade gelesen. Das Erdgeschoss ist mit einer vertikal profilierten Holzfassade ausgeführt, darüber liegt eine schwere, geschlossene Ziegelfassade. Diese wirkt gesetzt und ruhig, ohne dekorativ zu sein. Entscheidend war, dass das Klinkermauerwerk „sitzt“ – als präzise gefügtes Ganzes, nicht als bloße Hülle. Besonders anspruchsvoll war die Ausbildung der Vorderfassade. Vertikale Reihen von Vertiefungen verjüngen sich von der Mitte nach außen und nehmen schwarze Ziegel auf, die optisch wie Öffnungen wirken, ohne tatsächlich Löcher zu sein. Die Herausforderung lag darin, diese Elemente exakt übereinander im Lot zu halten und gleichzeitig ein stimmiges Fugenbild im restlichen Mauerwerk zu bewahren. Klassische Verbandsregeln reichten hier nicht aus. Das Langformat der Ziegel half, neue Lösungen zu entwickeln, ohne die Ruhe der Fläche zu verlieren. Der kritische Moment lag in der Ausführung dieser Fassadenseite. Hier entschied sich, ob das Gebäude seine gewünschte Selbstverständlichkeit bekommt oder unruhig wirkt. Die Fassade ist streng rechteckig, hat aber durch Proportion, Tiefe und Rhythmus eine fast sakrale Präsenz. Ein Fehler wäre sofort sichtbar gewesen. Neben der Fassade mussten auch Keller und Dach als weiße Wannen zuverlässig funktionieren. Beide waren früh definiert, das Dach stellte aufgrund der thermischen Belastung höhere Anforderungen. Die Ausführung erfolgte in enger Abstimmung mit spezialisierten Nachunternehmern. Die Zusammenarbeit mit Laket Architekten war eingespielt. Durch das gegenseitige Vertrauen konnten Details zügig abgestimmt und zahlreiche Ziegelfertigteile gemeinsam freigegeben werden, ohne den Prozess zu verlangsamen. Für den Architekten war das Ergebnis planbar – trotz der handwerklichen und konstruktiven Herausforderungen.
Heute wirkt das Gebäude ruhig und gesetzt. Die Straßenseite wird oft für ein öffentliches Gebäude gehalten; ein Nachbar vermutete sogar eine Bibliothek. Für uns ist das ein Hinweis darauf, dass die Fassade ihre Aufgabe erfüllt: Sie trägt das Haus.
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(2007-2025)








