Das Projekt Wilmans Park übersetzt eine scheinbar vertraute Gebäudeform in ein außergewöhnlich anspruchsvolles Bauwerk. Topografie, Statik und Detailtiefe prägen die Architektur stärker als der Typus selbst. Die Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel von Hanglage, Proportion und Material – eine monumentale Interpretation des klassischen Satteldachs, präzise ausgeführt bis ins Detail.
Das Grundstück im Wilmans Park liegt in einer der exponiertesten Lagen Blankeneses. Elbblick, extreme Hangneigung und eine dichte Nachbarbebauung bestimmten die Ausgangslage. Die Bauherren ersetzten ein unscheinbares Bestandsgebäude durch einen Neubau, der die Lage architektonisch voll ausnutzt, konstruktiv aber kaum Fehlertoleranz zulässt. Um die Hanglage zu sichern, wurde ein komplexer, verspannter Berliner Verbau hergestellt. Teile dieses Verbaus verbleiben dauerhaft im Boden und wirken als permanente Abfangung, seitlich gegen die neue Betonsohle abgestützt. Die Baugrube, der Verbau und der spätere Rohbau mussten daher von Beginn an zusammen gedacht werden. Fehler in der Reihenfolge oder in den Toleranzen hätten hier unmittelbare statische Konsequenzen gehabt. Die örtliche Satzung schrieb ein Satteldach vor. Wacker Zeiger Architekten nutzten diese Vorgabe konsequent aus und entwarfen ein Dach mit 60 Grad Neigung. Das Ergebnis ist eine ungewöhnliche Raumwirkung: In der obersten Galerieebene entstehen Deckenhöhen von bis zu acht Metern. Die daraus resultierenden, über neun Meter hohen Giebelwände aus Stahlbeton stellten hohe Anforderungen an Schalung, Betonierabschnitte und Aussteifung während der Bauphase. Der Rohbau kombiniert tragendes Kalksandmauerwerk mit umfangreichen Stahlbetonbauteilen. Die Fassaden wurden mit Wienerberger Ecobrick ausgeführt, einem nur 6,5 cm starken Verblendziegel. Das System ist materialeffizient und wirtschaftlich, verlangt aber eine präzise Verarbeitung und das Verfugen frisch in frisch. Ergänzt wird die Fassade durch zahlreiche Ziegelfertigteile sowie Fensterbänke und Brüstungsabdeckungen aus rotem Sichtbeton, die bewusst als gestalterischer Kontrapunkt eingesetzt wurden. Besondere Herausforderungen ergaben sich nicht nur aus der Konstruktion, sondern auch aus der Logistik. Die enge Sackgasse mit starker Steigung erschwerte den Aufbau des Obendreherkrans erheblich. Parallel dazu mussten die hohen Giebelwände und die komplexe Verblendfassade koordiniert werden, ohne die Abläufe gegenseitig zu blockieren. Das Projekt wurde ohne Ausschreibung direkt vergeben. Viele Entscheidungen mussten früh getroffen und getragen werden, auch dort, wo Erfahrungswerte fehlten – etwa beim erstmaligen Einsatz des Ecobrick-Systems in dieser Größenordnung. Rückblickend erwies sich die Kombination aus klarer Planung, präziser Ausführung und pragmatischem Umgang mit Unwägbarkeiten als entscheidend. Das Ergebnis ist ein Bauwerk, das aus einer scheinbar konventionellen Typologie eine monumentale, hoch differenzierte Architektur entwickelt – ruhig im Ausdruck, komplex in der Herstellung.
Das Projekt macht deutlich, dass scheinbar einfache Bauformen ihre größte Komplexität oft erst in der Ausführung entfalten.
Entscheidend war hier nicht der Entwurf allein, sondern die Fähigkeit, ihn unter realen Bedingungen umzusetzen.
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(2007-2025)







