Mittelweg, Tiefgarage
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27.12.2025

Weiße Wannen: Warum guter Beton allein nicht reicht

Bei einer WU-Wanne muss man systemisch denken, nicht reduktionistisch

Michael van der Voorn

Geschäftsführer

27.12.2025

Weiße Wannen: Warum guter Beton allein nicht reicht

Bei einer WU-Wanne muss man systemisch denken, nicht reduktionistisch

Michael van der Voorn

Geschäftsführer

Bei MOA realisieren wir anspruchsvollen Rohbau dort, wo Entwurf, Technik und Ausführung zusammenfinden – präzise geplant und belastbar gebaut.

WU ist im Leistungsverzeichnis aufgeführt. Ist das soweit verständlich?

Nicht ganz. Obwohl der Begriff vertraut wirkt, stelle ich in Gesprächen fest, dass vielen die genaue Bedeutung unklar ist. Das ist verständlich, da das Thema komplex ist und die Begriffe oft eine scheinbare Einfachheit vermitteln.

Der Trugschluss mit dem „besseren Beton"

Häufig höre ich die Aussage: „Wir nehmen WU-Beton, dann wird das schon dicht."

Das klingt plausibel, ist jedoch nicht korrekt.

Gerade bei Sanierungen begegnet mir dieses Argument oft. Beispielsweise soll eine 12 cm starke Sohle eingebaut werden, und es wird vorgeschlagen: „Lass uns wenigstens WU-Beton einbauen, dann ist es besser als vorher."

Die dahinterstehende Hoffnung ist nachvollziehbar, führt jedoch zu einem Irrtum.

Eine WU-Wanne funktioniert anders.

Was WU-Beton wirklich ist (und was nicht)

Ein häufig unterschätzter Aspekt: WU-Beton verfügt über keine besonderen Eigenschaften im Sinne von „Superkräften".

Der wesentliche Unterschied zu normalem Beton liegt im Wasserzementwert: maximal 0,55 bei Einhaltung der Mindestbauteilstärken. Dies reduziert die Kapillarität und verbessert die Dichtigkeit des Gefüges. Weitere Unterschiede bestehen nicht.

Viele Standard-Lieferbetone – zum Beispiel ein C25/30 mit w/z 0,60 – können bei entsprechender Bauteildicke durchaus in WU-Konstruktionen eingesetzt werden. Erst bei knappen Bauteilstärken (24–30 cm) und/oder hohen Beanspruchungen wird der w/z-Wert von 0,55 nach der WU-Richtlinie wirklich entscheidend.

Entscheidend ist jedoch: Der Beton ist nur ein Bestandteil des Gesamtsystems.

Der Begriff „WU-Wanne" bezeichnet kein Material, sondern ein gesamtheitliches System.

Was „wasserdicht" tatsächlich bedeutet

Eine weiße Wanne soll theoretisch ohne zusätzliche Abdichtung wasserdicht sein.

In der Praxis ist „wasserdicht" jedoch kein absoluter Zustand. Es gibt verschiedene Grade der Dichtigkeit, die von mehreren Faktoren abhängen:

  • der Nutzung (Lagerraum oder Wohnkeller?)

  • der Beanspruchung (Bodenfeuchte, nichtdrückendes oder drückendes Wasser?)

  • dem Entwurfsgrundsatz: Risse vermeiden oder zulassen und abdichten?

Die gewählte Vorgehensweise beeinflusst die gesamte Konstruktion.

Was zu einer WU-Wanne wirklich gehört

Beim Bau einer WU-Wanne berücksichtigen wir weit mehr als nur den Beton:

Beton und Bauteil
Dicke, Betonsorte, Wasserzementwert und Expositionsklasse sind grundlegende Parameter. Ebenso relevant sind die Entwicklung der Hydrationswärme und die Erhärtungsgeschwindigkeit des Betons, da sie die Rissneigung maßgeblich beeinflussen.

Bewehrung
Hier entstehen häufig zusätzliche Kosten, da die Bewehrung in einer WU-Wanne nicht nur statische Aufgaben erfüllt. Sie muss auch Risse begrenzen, was oft einen höheren Stahlbedarf als die reine Statik erfordert.

Fugen
An den Übergängen zwischen Bauabschnitten entstehen Schwachstellen, beispielsweise an der Verbindung von Sohle und Wand oder Wand und Decke. Arbeits- und Dehnfugen müssen jeweils geplant und mit geeigneten Systemen wie Fugenbändern, Injektionsschläuchen oder Kombisystemen abgedichtet werden.

Details
Rohrdurchführungen sind wasserdicht auszuführen, und für Einbauteile sind spezielle Lösungen erforderlich.

Hinzu kommt die Statik: Tragwerksplanung und Abdichtung stellen oft gegensätzliche Anforderungen. Was statisch sinnvoll ist, kann aus Abdichtungssicht problematisch sein und umgekehrt. Betone mit hoher Druckfestigkeit erfordern häufig große Mengen an rissbeschränkender Bewehrung.

Wo es schiefgeht

Ein häufiger Fehler besteht darin, nur einen Teil des Systems korrekt umzusetzen, während andere Aspekte vernachlässigt werden.

Beispiel aus der Sanierung, das ich schon mehrfach gesehen habe:

Neue Bodenplatte, WU-konform ausgeführt. Top-Beton, gute Bewehrung, alles richtig gemacht.

Aber das Bestandsmauerwerk bleibt, wie es ist.

Das Ergebnis: Das Wasser dringt nicht durch die neue Sohle, sondern über die Fuge oder das bestehende Mauerwerk ein. Der Aufwand war somit vergeblich.

Die Dichtigkeit einer WU-Wanne entspricht stets der ihres schwächsten Punktes.

Die wirtschaftliche Seite

WU-Wannen sind mit erheblichen Kosten verbunden.

Rissbeschränkende Bewehrung kann schnell mehrere tausend Euro an Zusatzkosten verursachen. In manchen Fällen ist dies wirtschaftlich sinnvoll, in anderen nicht.

In einigen Projekten war es wirtschaftlich sinnvoller, die Beanspruchungsklasse zu senken, anstatt die Konstruktion aufwendig zu verstärken.

Beispiel: Mit einer ordentlichen Drainage – auch unter der Sohle – lässt sich "zeitweilig drückendes Wasser" (BKl 1 nach WU-Richtlinie bzw. W2-E nach DIN 18533) auf "nichtdrückendes Wasser" (BKl 2 bzw. W1.2-E) reduzieren.

Dies reduziert nicht nur die Anforderungen an Beton und Bewehrung, sondern spart auch Kosten.

Nicht jedes Kellergeschoss erfordert eine WU-Wanne. Wird jedoch eine solche Lösung gewählt, muss das Gesamtkonzept stimmig sein.

Worauf es in der Planung ankommt

Die zentrale Frage lautet nicht: „Welchen Beton verwenden wir?"

Die Frage ist:

  • Welche Dichtigkeit brauchen wir wirklich? (Nutzung!)

  • Welche Rissbildung können wir akzeptieren? (Entwurfsgrundsatz!)

  • Welche Bauteile haben eine doppelte Funktion – tragend und abdichtend?

  • Wo sind die Schwachstellen? (Anschlüsse, Übergänge, Bestand!)

  • Ist es klüger, die Beanspruchung zu reduzieren statt die Konstruktion zu verstärken?

Diese Fragen sind bereits in der Vorplanung zu klären, nicht erst auf der Baustelle.

Kurz gesagt

Eine WU-Wanne ist kein Produkt, das einfach eingebaut wird.

Sie ist ein System, das sorgfältig geplant, verstanden und konsequent umgesetzt werden muss.

Häufig ist der Beton allein nicht entscheidend für die Dichtigkeit.

Vielmehr sind die angrenzenden Bauteile und deren Ausführung ausschlaggebend.

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